About this Track
- Added on 21 May 2026
- Description
Musiktheater
Die Komposition Oviri entfaltet sich als vielschichtiges Musiktheater, getragen von der gleichnamigen Keramikskulptur von Paul Gauguin aus dem Jahr 1894. In der polynesischen Mythologie erscheint sie als Göttin der Trauer – eine ambivalente, wilde Frauenfigur, die Zerstörung und Fürsorge zugleich in sich trägt. Das mehrsprachige Libretto von Aleksi Barrière bildet den literarischen Ausgangspunkt und konzentriert sich auf Ambivalenz und die Illusion eines gelebten Idols. Die Komposition selbst spürt der fortlaufenden, prozesshaften Entfaltung der Figur nach und lässt ihre inneren Spannungen, Bedeutungen und Wandlungen in jedem Moment hörbar werden. Ein leiser Bezug zum Werk NoaNoa von Kaija Saariaho schwingt mit, dessen Motive in Oviri auf eigene Weise Resonanz finden.
Dem historischen Vorbild wird eine neue Figur gegenübergestellt: Osíria, eigens von Cécile Marti aus Stein geschaffen. Sie erscheint sowohl physisch als Skulptur als auch in filmisch-fotografischen Projektionen, die ihren Entstehungsprozess vom Rohmaterial bis zur ausgearbeiteten Form zeigen. Während Oviri eine ambivalente, von außen projizierte Weiblichkeit zeigt, verkörpert Osíria innere, aus sich selbst hervorgehende Kraft. Sie steht für Ordnung, Gerechtigkeit und die Möglichkeit von Transformation – eine Bewegung hin zum Wahrhaftigen. In ihrer Ausrichtung auf die Zukunft öffnen sich künstlerische, historische und mythologische Ebenen zu einem vielschichtigen, offenen Bedeutungsraum, in dem ursprüngliche Integrität und selbstbestimmte Präsenz Gestalt gewinnen.
- Year of creation 2026
- Director Aleksi Barrière
- 46 plays