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Basel Composition Competition - BCC 2019: Carmine-Emanuele Cella, "Verso la fine del giorno" - neo
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BCC 2019: Carmine-Emanuele Cella, "Verso la fine del giorno"

25 plays
Composer
Carmine-Emanuele Cella
Composition, Orchestra
11 tracks

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Added on 11 March 2020

Description

CARMINE-EMANUELE CELLA
Ausbildung
Carmine-Emanuele Cella ist ein Komponist von internationalem Format, der auch als Forscher auf dem Gebiet der angewandten Mathematik hervorgetreten ist. Er studierte in Italien am Konservatorium G. Rossini, wo er Masterabschlüsse in den Fachrichtungen Klavier, elektronische Musik und Komposition erwarb, und promovierte an der Accademia di Santa Cecilia in Rom (Komposition). Darüber hinaus studierte er Philosophie und Mathematik und erwarb an der Universität von Bologna einen Doktorgrad in mathematischer Logik für seine Arbeit «Zur symbolischen Darstellung von Musik» (2011).

Auszeichnungen
Als Komponist hat er zahlreiche Preise gewonnen, darunter den ersten Preis beim G. Rossini-Kompositionswettbewerb (1998), den ersten Preis beim Egidio Carella Wettbewerb (2010) und den zweiten Preis beim ICOMS-Kompositionswettbewerb (2010). Er gelangte sowohl 2006 beim Kompositionswettbewerb Reine Elisabeth als auch 2007 beim George Enescu Kompositionswettbewerb in die Endrunde. Das Orchester des SWR Stuttgart wählte 2009 sein Werk «La fin du jour» zur Uraufführung aus. Zwei Jahre später kam er mit seinem Stück «The Manhattan Distance» für Orchester ins Finale des internationalen Isang Yun-Wettbewerbs in Südkorea.
2007 erhielt er das E. Contestabile-Stipendium der Accademia Chigiana und das G. Guarino-Stipendium der Accademia di S. Cecilia in Rom. Im Jahr darauf verlieh ihm der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano den renommierten Petrassi-Kompositionspreis. Es folgte dann 2015 der Preis Una Vita Nella Musica Giovani des Teatro La Fenice in Venedig. 2018 erfolgte seine Nominierung für den Kompositionspreis der Fondation Prince Pierre de Monaco. Unlängst wurde eines seiner Werke für das Finale der Basel Composition Competition (BCC) ausgewählt, die im Februar 2019 stattfindet.

Laufbahn
Von 2007 bis 2008 war Carmine-Emanuele Cella als Forscher beim Unternehmen Ircam in Paris auf dem Gebiet der Audioerkennung tätig. Im Zeitraum 2011- 2012 entwarf er im Auftrag von Ircam die Live-Elektronik für Stefano Gervasonis Oper «Limbus-Limbo». Im gleichen Jahr war er Composer in Residence bei Ircam, wo sein Stück «Gia‘ s‘ottenebra il giorno» für Orchester beim Akademiefestival ManiFeste 2012 uraufgeführt wurde. Ircam gab bei ihm das Werk «Reflets de l‘ombre» für das Orchestre Philharmonique de Radio France in Auftrag, das im Juni 2013 im Salle Pleyel seine Premiere erlebte. Für 2013-2014 wurde er als Mitglied der Académie de France à Madrid in der Casa de Velazquez nominiert. Im Zeitraum 2015-2016 betrieb er Forschungen in angewandter Mathematik an der École Normale Supérieure de Paris.
2016 absolvierte er ein Residency-Programm an der American Academy in Rome, wo er an seiner Oper «Pane, sale sabbia» arbeitete, die im Juni 2017 von der Nationaloper Kiew aus der Taufe gehoben wurde. Im gleichen Jahr wurde in Paris sein Stück «Inside-out» für «smarte» Schlaginstrumente von den Percussions de Strasbourg aufgeführt und stiess beim Publikum und bei der Kritik gleichermassen auf Resonanz. Gegenwärtig erforscht er bei Ircam die computergestützte Orchestrierung, ein bereits in der Anfangsphase des Unternehmens von Pierre Boulez angesprochenes Thema. In diesem Zusammenhang konnte er innovative Lösungen vorschlagen, die in Fachkreisen immer mehr Zustimmung finden. Er wurde zum Professor für Musik und Technologie an der UC Berkeley ernannt, wo er ab Anfang 2019 für das Center for New Music and Audio Technologies (CNMAT) tätig sein wird.
Er arbeitet bereits an weiteren Projekten. Dazu gehören ein Stück für «smarte» Schlaginstrumente, das 2019 von den Percussions de Strasbourg aufgeführt werden soll, und ein ganz für Live-Elektronik konzipiertes Stück, das im November 2019 gleichzeitig in drei Städten (Paris, Athen und Karlsruhe) erklingen soll.

VERSO LA FINE DEL GIORNO
«Verso la fine del giorno» (2018) ist ein Stück für grosses Orchester, das von Baudelaires nachstehend abgedrucktem Gedicht «La fin de la journée» (Ende des Tages) angeregt wurde.

Sous une lumière blafarde
Court, danse et se tord sans raison La Vie,
impudente et criarde.
Aussi, sitôt qu‘à l‘horizon

La nuit voluptueuse monte,
Apaisant tout, même la faim,
Effaçant tout, même la honte,
Le Poète se dit: «Enfin!

Mon esprit, comme mes vertèbres, Invoque ardemment le repos;
Le coeur plein de songes funèbres,

Je vais me coucher sur le dos
Et me rouler dans vos rideaux,
Ô rafraîchissantes ténèbres!»

Deutsche Nachdichtung von Stefan George:
Unter blassem lichte schwärmend
Tanzt und stürzet ohne grund
Sich das leben schamlos lärmend ..
Doch sobald am himmelsrund

Wonnevoll die nacht sich breitet
Alles – auch der hunger – ruht ·
Alles – auch die schmach – vergleitet;
Sagt der dichter: nun ists gut!

Gierig flehen meine glieder
Wie mein geist die ruhe nieder
Von unseligem traum zerwühlt ..

Will mich auf den rücken strecken
Eingehüllt in eure decken –
Finsternisse die ihr kühlt!

In den letzten Zeilen fleht der Dichter die Nacht an, ihm Ruhe zu gewähren. Das Stück handelt von der Nacht, die sich ausbreitet, um alles einzuhüllen und auszulöschen.
Das Stück ist satztechnisch so angelegt, dass keine Melodien oder Rhythmen erkennbar sind. Es basiert auf einem sich ändernden Klang, in dem jede Note Bestandteil eines physischen Gesamtbildes ist. Die Tragödie findet ihren Ausdruck innerhalb des Klangs und verdichtet sich zu einer einzigen Note.

Year of creation
2019
Director
Johannes Bachmann

25 plays