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Le mythe du son pur - neo

Le mythe du son pur

Im täglichen Leben schenkt man dem Verlauf der Dinge oft mehr Aufmerksamkeit als dem, was sich unmittelbar im Hier und Jetzt ereignet. Das gilt, etwas pauschal gesagt, auch für das westliche Musikdenken. Ein beeindruckender Gegenentwurf gelingt Pierre Boulez 1965 mit Éclat: Fokus auf den nackten Augenblick, klangliche Geistesblitze, funkelnde Farben! Wenig später entsteht der dazugehörige Werkteil Multiples – Vervielfachung der im ersten Werkteil exponierten Klangbilder, als wäre man im Spiegelkabinett. Wie in kaum einem anderen Musikwerk der vergangenen Jahrzehnte definiert sich die Wahrnehmung der Zeit in Eclat/Multiples über die Instrumentenwahl: Einerseits ist da eine Gruppe von Solisten, deren Töne, kaum dass sie erzeugt worden sind, nicht mehr manipuliert werden können, und andererseits ein Ensemble, das die Klänge länger auszuhalten und zu formen imstande ist. Das Resultat im Ohr: Momente meditativen Eintauchens alternieren mit streckenweisem Aktionismus. Die traditionelle Rollenverteilung zwischen Komponist, Dirigent und Ensemblemitgliedern ablehnend, überlässt Boulez den Ausübenden viele Freiräume, damit sie selbst Initiative ergreifen können. Das Konzert des Collegium Novum Zürich markiert den Schlusspunkt einer intensiven Aufnahmewoche – und verspricht unter dem höchst versierten Boulez-Dirigenten Michael Wendeberg ein Fest unbändiger Spielfreude zu werden!

Pierre Boulez: «Éclat-Multiples» für grosses Ensemble

Collegium Novum Zürich
Michael Wendeberg Dirigent

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